Interview mit Heinz Donner zur neuen CD

 CONFUSIÒN

 

CONFUSIÒN heißt das neue Album: Müssen Hörerinnen und Hörer Verwirrung befürchten? 

 

Heinz Donner: Eigentlich nicht, weil zwar die Stücke von vielen unterschiedlichen Musikern aus mehreren Jahrhunderten zusammen kommen, aber auf wundersame Weise miteinander harmonieren. 

 

Welche Idee steckt hinter CONFUSIÒN? 

 

Vor allem meine eigene Begeisterung für die Stücke. Gewissermaßen handelt es sich dabei um eine persönliche Zusammenstellung großartiger Titel, die ich auf meine Art interpretiert habe. Und bei aller Unterschiedlichkeit der Kompositionen: Es geht mir nicht um irgendeine Musiktheorie, sondern darum, dass die Musik lebt. 

Auf der Liste stehen Kompositionen quer durch die Musikgeschichte von Gaspar Sanz (1640-1710), Joao Pernambuco (1883-1947) über Abel Fleury (1903-1958), Steve Morse („Deep Purple“) und Andrew York bis zu John Lennon und Paul McCartney. Was verbindet die Werke dieser Musiker, dieser Künstler? 

 

Sie gefallen mir einfach und ergeben in ihrer Gemeinsamkeit eine absolut runde Sache. 

 

Gibt es ein Stück auf der Platte, das besonders hervorzuheben ist? 

 

Musikalisch bin ich mit den Beatles aufgewachsen, also ja, „I will“, der letzte Titel auf dem Album, der übrigens der erste ist, den wir aufgenommen haben. 

 

Welche Akzente hast Du selbst in Deiner Interpretation der Titel gesetzt? 

 

Als ich anfing zu studieren, war dies die Zeit, in der Andrés Segovia besonders populär war. Der spanische Gitarrist war damals wegweisend und stellte sehr dogmatische Regeln für das perfekte, anspruchsvolle Gitarrenspiel auf. Das hat jedoch nicht wenige Nachwuchsmusiker eingeschüchtert oder gar verängstigt. 

 

Als ich selbst mich davon lösen konnte, mich traute, mehr auf meinen Bauch, mein Herz, mein Gefühl zu hören, konnte ich mein Gitarrenspiel auf die nächste Ebene heben und meinen eigenen Stil entwickeln. Und: Noten sind ja letztendlich auch nur Anhaltspunkte; die Musik lebt zwischen den Noten. 

 

Das Konzept des Albums, eine kuratierte Liste von Titeln, die zueinander in Beziehung stehen und die einer Dramaturgie folgt, ist im Zeitalter des Streamings ein wenig aus der Mode gekommen. 

 

Ja, das stimmt, aber klassische Gitarrenmusik ist ohnehin ein Nischenprodukt, das ist was für Verrückte. Jedenfalls von den reinen Verkaufszahlen her. 

 

Wie lange hast Du an Auswahl der Titel und Aufnahme gearbeitet? 

 

Das war ein längerer Prozess, bis ich alle Stücke ausgewählt hatte. Eigentlich ist die Liste Stück für Stück gewachsen. Die Aufnahmen selbst haben wir zwischen Februar und September 2022 gemacht. 

 

Ein minimalistisches Setup: Der Musiker und die Gitarre, Konzentration auf das Wesentliche. 

Passt eigentlich ganz gut in den aktuellen Zeitgeist von Achtsamkeit und Entschleunigung, oder? 

 

Ja, das kann gut sein. Vielleicht treffe ich mit CONFUSIÒN da den richtigen Nerv gerade. 

 

Aber als Solo-Musiker ist man eigentlich oft „schrecklich“ allein. Und damit auch selbst und allein verantwortlich für das Gelingen. Obwohl da auch noch einige andere mitgewirkt haben, ohne die dieses Album nicht hätte entstehen können. 

 

An der Produktion beteiligt waren Rainer Zimmermann (Aufnahme und Mix), Thomas Mark (Mastering) und Vilko Zanki (Freund und Berater). Welche Rolle spielt das Team hinter dem Musiker? 

 

Die sind genauso bedeutend wie der Typ, der die Gitarre spielt. Und bei der Produktion ist es für mich besonders wichtig, dass die Sache harmonisch abläuft. Das war mit dem Team absolut gegeben und ich bin gespannt, wie das Album nun über den kleinen Kreis hinaus beim Publikum aufgenommen wird. 

 

Das Interview führte Sebastian Seibel 

Dr. Thomas Kaercher


Die Pandemie hat ja doch auch ein paar gute Seiten gehabt, wenn sie solch eine charmante CD generiert. Die Werke aus unterschiedlichen Epochen kommen liebenswert und leichtfüßig herüber. Großes Kompliment an den Gitarristen. 

Der silberne Klang strahlt ungemein, wie auf einem barocken Cembalo. Das ist dann auch der gelungene Part der beteiligten Toningenieure. 

Und wie bei Hitchcock taucht der Regisseur am Ende persönlich auf, um am Instrument mitzuhelfen. Toll!